Bluesmarathon, 17.30 – 22.00 Uhr

Das Blue Wave Festival bietet eine traditionell amerikanische Bluesnacht
Der Samstagabend auf dem Kurplatz von Binz gestaltet sich als eine Bluesfete der besonderen Art. Alle Musikfreunde, die die Bluesmeile glücklich absolviert haben und nun bei einem schönen Getränk auf den weißen Bänken vor der Kurplatzbühne erwartungsfroh Platz genommen haben, dem sei bereits jetzt versprochen – hier geht jetzt die Post ab. Das Angebot ist International an diesem Abend. Der Blues kommt diesmal ganz ursprünglich daher. Zurück zu den „Roots“ muss man formulieren. Eine musikalische Zeitreise, die noch einmal den Blues aus den amerikanischen Südstaaten buchstäblich auferstehen lässt.
Mit dem scharfen Start um 17.30 Uhr und der Band Boogie Matt Weavil sind wir schon mitten drin in den amerikanischen Südstaaten. Denn das Bo Weavil (oder Boll Weevil - Baumwoll-Kapselkäfer) ist der gefürchtete Käfer, der sich von Baumwollknospen ernährt und ganz besonders im Jahr 1920 alle südlichen US-Baumwollanbaugebiete befallen hat und verheerende Folgen für die Menschen und deren Arbeit hinterließ. Dieser Käfer ist in den Blues & Folksongs oft besungen worden - ganz klar das dieses Symbol für Fress- und Kampfeslust heute auch als Bandname herhalten muss. Die Band Boogie Mat Weevil aus Frankreich spielt den absolut authentischen Südstaaten Blues. Und Leadsänger Boogie Matt besitzt die dazu prägende, kraftvolle, autoritäre, warme und bewegende Stimme, die durch Andreas Bock’s hervorragenden Schlagzeugspiel und Dirk Vollbrecht’s vollen runden Bass unterstützt wird. Boogie Matt Weavil spielt nicht nur den Blues, er "predigt" ihn mit Seele, klopft ihn mit dem Schuh und verkörpert ihn mit einer solchen Überzeugungskraft und Authentizität, man könnte glauben, er lässt den Blues wieder auferstehen.
Ab 19.00 Uhr steht mit Big Daddy Wilson, ein schwarzer Sänger und Singer/Songwriter auf der Festivalbühne. Der Künstler, der in den Südstaaten der USA, in North Carolina geboren wurde und dort auch seine ersten musikalischen Sporen verdiente, versteht nicht nur optisch die in seiner Heimat entstandene Musik zu vermitteln, sondern bringt vor allem mit seiner Stimme die sentimental-fröhliche Grundintention mit auf die Bluesbühne. In seinem Heimatort Edenton, brachte man ihm als Kind im Gospelchor all das bei, was er heute auf der Bühne zelebriert. Fasziniert von Blues, Funk und Soul verschlug ihn seine Karriere nach Deutschland, wo er in verschiedenen Bands und Projekten als Sänger immer wieder von sich hören machte. Mit schwarzem Südstaatenhut, schwarzer Brille, selbstverständlich eingehüllt in dezentes Rotlicht, zelebriert Wilson "seinen Blues". Auch in Binz wird er dies im wahrsten Sinne des Wortes tun, hat er doch seine neue CD „Love is The Key“ im Gepäck.
Ihm um nichts nach steht ab 20.30 Uhr Boo Boo Davis. Boo Boo Davis ist in Drew, Mississippi, im Herzen des Muendungsgebietes geboren und aufgewachsen. Es war das üppigste Baumwollgebiet im Süden, und die riesige Ansammlung von Feldarbeitern zog die besten Musiker aus den umliegenden Gebieten an. Ein echter Südstaatler und einer, der zur letzten Genaration von Musikern gehört, die ihren Blues auf den Erfahrungen des Lebens im Mississippi Delta spielen. Sein Blues ist scharfkantig und tough und Davis hat seinen eigenen, unverkennbaren Juke-Joint-Sound geschaffen. Nichts für schwache Nerven, aber fast ein Muss für Liebhaber des unverwässerten Mississippi-Blues. Eine laute, bellende Stimme, der über die Jahre so mancher Verstärker und Lautsprecherbox zum Opfer fiel. Eine Schule hat er nie gesehen und so ist er in der „modernen“ Gesellschaft, auf seinen „guiding spirit“ (helfenden Geist), den er Dave nennt, angewiesen. Vielleicht kann sich dieser Geist wieder etwas auf uns übertragen, die wir an der Bühne stehen und von den gewaltigen Tönen fasziniert sind, die Boo Boo’s einzigartige Stimmbänder und seiner Mundharmonika auf uns herunter brausen lässt und die von John Gerritse´s Trommel und Jan Mittendorp´s Gitarre fabelhaft groovend begleitet wird.
Ein einzigartiger Abend, den man in dieser Zusammensetzung wohl nur noch ganz selten erleben kann. Und wenn die Blueslegenden die Kurhausbühne verlassen haben, dann kann man einfach nicht so einfach den Tag beenden. Nehmen Sie sich Zeit – gehen Sie an den Strand, auf die Seebrücke oder in einen der beiden Bluesclubs. Im Hotel am Meer und in der Villa Salve kann man es ausklingen lassen, dieses kleine Stück Abendteuer, welches man wohl nur bei Blue Wave in Binz erleben kann.



